Europa und Orient - Handel und Wirtschaft im 15. Jahrhundert

Europa - Mittelalter

978-3-14-100870-8 | Seite 103 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 24.000.000
Europa und Orient | Handel und Wirtschaft im 15. Jahrhundert | Europa - Mittelalter | Karte 103/3

Überblick

Die Karte zeigt Wirtschaft und Handel in Europa am Ende einer mittelalterlichen Expansionsphase. Der Handel und das Gewerbe hatten im Mittelalter zu einer räumlichen Differenzierung innerhalb Europas beigetragen. Der ländliche Raum war im 15. Jahrhundert überwiegend rein agrarisch dominiert. Seine Aufgabe war die Erzeugung von Nahrungsmitteln wie Getreide und Vieh sowie von agrarischen Rohstoffen für das Gewerbe (zum Beispiel Wolle, Leder, Lein). Nur ein Teil der ländlichen Regionen wurde - beispielsweise durch den Export von Getreide - in den großräumigen Handel integriert. Es handelte sich dabei um naturräumlich begünstigte Gebiete wie das Nildelta, Sizilien oder auch Nordostdeutschland, wo durch die Hanse eine Nachfrage nach Getreide bestand. Periphere Räume wie Russland und Nordskandinavien brachten vor allem Naturprodukte (Pelze, Leder, Fisch, Honig, Wachs) in den Handel ein.

Die meisten Städte lebten vom Handel, dem Gewerbe oder dem Bergbau. Wenn sie nicht Herrschaftssitz waren, hing ihre Entwicklung ausschließlich von der Wirtschaft ab. Neben den Bergbauregionen, die sich vor allem in den Mittelgebirgen konzentrierten (vgl. Karte 63.3), gab es Regionen, die sich auf die Herstellung von Tuchen und Textilien spezialisiert hatten (zum Beispiel Südostengland, Flandern, Bretagne, Südfrankreich). Innerhalb des Städtesystems nahmen die großen Handels- und Messeplätze eine besondere Stellung ein.

Die Hanse

Ein wichtiger Träger des Handels im Nord- und Ostseeraum war vor allem die Hanse. Im 11. Jahrhundert als genossenschaftlicher Zusammenschluss deutscher Kaufleute gegründet, hatte sie sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte zu einer Städtehanse entwickelt. Sie dehnte ihren Einflussbereich im Ostseeraum mit der deutschen Ostkolonisation rasch bis nach Danzig, Königsberg, Riga und Reval aus. Als genossenschaftlicher Städtebund unterschied sich die Hanse deutlich von den italienischen Stadtrepubliken, ihre Bedeutung für den Handel war aber vergleichbar groß.

Die unumstrittene Führung der Hanse hatte seit dem Ende des 13. Jahrhunderts Lübeck; die wichtigsten Handelskontore des Bundes lagen in Brügge, London, Bergen und Nowgorod. Der Einflussbereich umfasste zu ihrer Blütezeit bis ins 15. Jahrhundert mehr als 200 Mitgliedsstädte, die teilweise weit im Binnenland lagen (zum Beispiel Münster, Köln, Dortmund, Braunschweig, Göttingen). Die Hanse vereinigte die Länder an Nord- und Ostsee mit dem nördlichen Mitteleuropa zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum und gab damit entscheidende Impulse für die Entwicklung der Produktion und des Handels. Durch ihre wirtschaftliche Macht hatte sie phasenweise auch einen politisch bedeutsamen Einfluss in Mittel- und Nordeuropa.

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