Ophir (West-Sumatra) - Ölpalmenplantage

Singapur/Indonesien

978-3-14-100700-8 | Seite 177 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 175.000
Ophir (West-Sumatra) | Ölpalmenplantage | Singapur/Indonesien | Karte 177/2

Informationen

Die Ölpalme ist zurzeit die zweifellos erfolgreichste tropische Nutzpflanze. Neben Soja und weit vor Raps und Sonnenblumen dient sie als wichtigste Öl liefernde Pflanze der Welt. Vor allem deshalb hat sich die Palmölerzeugung in den letzten 50 Jahren um mehr als das 30-fache erhöht.

Ölpalmenboom in Südostasien
Etwa 85 Prozent der Weltproduktion von Palmöl stammen aus Indonesien und Malaysia. Allein in Indonesien weitet sich die Ölpalmenfläche jedes Jahr um rund 400 000 Hektar aus. Palmöl ist nicht nur ein wichtiges Nahrungsmittel, sondern spielt auch eine bedeutende Rolle in der oleochemischen Industrie. Kaum ein Mensch auf der Erde, der nicht täglich mit Produkten in Berührung kommt, in denen Palmöl enthalten ist. Dazu zählen viele Lebensmittel wie beispielsweise Margarine, Speiseeis und Frittieröl, diverse Reinigungs- und Pflegemittel wie Seife und Shampoo sowie Kosmetika. Seit neuestem wird Palmöl zur Betreibung von Stromkraftwerken eingesetzt, in naher Zukunft wohl auch als Zusatz für Dieseltreibstoff. Unter dem Stichwort "Bio-Energie" kommt Palmöl als erneuerbarer Energieträger immer mehr als potenzieller Ersatz für fossile Energieträger wie das Erdöl ins Gespräch.
Zu den wirtschaftlichen Vorteilen des Palmöls zählen der günstige Preis, sein extrem hoher Flächenertrag von durchschnittlich 4000 Kilogramm Öl pro Hektar und Jahr (zum Vergleich: Soja 400 Kilogramm, Raps 700 Kilogramm) und nicht zuletzt die Schaffung von Millionen neuer Arbeitsplätze; allein in Indonesien und Malaysia verschafft es derzeit rund 6 Mio. Menschen ein Einkommen. Befürworter betonen deshalb sein enormes Potenzial für das Wirtschaftswachstum, die ländliche Entwicklung, die Nahrungssicherung und die Armutsbekämpfung in den tropischen Entwicklungsländern.
Auf der anderen Seite gibt es auch kritische Stimmen. Umweltschützer verweisen auf die Zerstörung von Regenwäldern vor allem auf den Inseln Sumatra und Borneo, den galoppierenden Verlust an Biodiversität durch die Monokultur Ölpalme, die Verschmutzung von Flüssen durch die Abwässer der Palmölfabriken und auf die Entstehung von Waldbränden durch Brandrodung bei der Erschließung neuer Plantagen. Menschenrechtsgruppen warnen vor der Verdrängung ethnischer Minoritäten aus ihren angestammten Siedlungsräumen.
Der Produktions- und Verarbeitungsprozess erfordert normalerweise ein ausgeklügeltes Management, dem in der Regel nur Großbetriebe, also Plantagen, nicht aber Kleinbauern gerecht werden können. Dies änderte sich allerdings mit der Einführung der sogenannten Nukleus-Plantagen, bei denen an eine herkömmliche Kernfläche (Nukleus) mit Fabrik und festem Arbeiterstamm zusätzliche Flächen angeschlossen werden, die an Kleinbauern vergeben und von diesen nach vertraglich festgelegten Regeln bewirtschaftet werden. Ziel ist es, die Vorzüge einer Plantage mit denen eines bäuerlichen Familienbetriebs zu beiderseitigem Vorteil zu vereinen. Bereits in den 1970er-Jahren führte Malaysia diese integrierte Betriebsform in großem Stil ein, ab den 1980er-Jahren übernahm auch Indonesien das Nukleus-Konzept. Eine der ersten Nukleus-Plantagen Indonesiens war die 1981 gegründete "Ophir"-Plantage im Distrikt West-Pasaman in der Provinz West-Sumatra.

Nachhaltige Plantagenwirtschaft in "Ophir"
Die "Ophir"-Ölpalmenplantage gilt als eines der erfolgreichsten Projekte der deutsch-indonesischen Entwicklungszusammenarbeit, an dem auf deutscher Seite die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) beteiligt waren. Die nach dem Nukleus-Prinzip konzipierte, 8000 Hektar große Pflanzung liegt direkt am Äquator in einer Höhe von 50 bis 200 Metern über NN, etwa 15 Kilometer vom Indischen Ozean und rund 150 Kilometer von der Provinzhauptstadt Padang entfernt. Im Osten grenzt sie an die mit Regenwald bestandenen Fußhänge des 2910 Meter hohen Ophir-Vulkans. Es herrscht das für die Inneren Tropen typische dauerfeuchte Regenwaldklima mit konstant hohen Temperaturen (durchschnittlich 27 bis 28 °C) und reichlichen Niederschlägen von über 4000 Millimetern pro Jahr mit zwei Maxima im April und Oktober — ideal für den Anbau von Ölpalmen. Bereits während der holländischen Kolonialherrschaft existierte hier eine Ölpalmenplantage, die jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel. Bei der Neuanlage brauchte dadurch kein Regenwald gerodet zu werden.
Die Plantage ist zweigeteilt: An die 3200 Hektar große Kernplantage ("Nukleus") im Süden schließt sich im Norden die 4800 Hektar große Pflanzungsfläche der Kleinbauern, das sogenannte Plasma, an. Die Bewirtschaftung des Nukleus erfolgt durch die staatliche Plantagengesellschaft "P.T. Perkebunan VI". Auf ihrem Gelände befinden sich die Fabrik, die Verwaltungsgebäude und die Wohnzeilen der 1750 javanischen Plantagenarbeiter. Das Plasma ist unter 2400 vertraglich gebundenen Kleinbauern zur eigenverantwortlichen Bewirtschaftung aufgeteilt; für jeden Haushalt stehen somit zwei Hektar zur Verfügung. Die Vertragsbauern stammen sowohl aus der näheren Umgebung als auch aus Java und leben in vier Neusiedlungen, die auf der Karte als Dörfer I bis IV eingezeichnet sind.
Im Jahr 2000 gab das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) eine Ex-Post-Evaluierung in Auftrag, um die Nachhaltigkeit des Projekts zu überprüfen. Es zeigte sich, dass die Projektziele nicht nur erreicht, sondern teilweise sogar deutlich übertroffen worden waren. Die Palmölerträge lagen weit über dem indonesischen Schnitt. Die meisten Vertragsbauern hatten ihre Kredite früher zurückzahlen können als ursprünglich vorgesehen; ihr Durchschnittseinkommen übertraf das der anderen ländlichen Haushalte in der Region um das Drei- bis Vierfache. Die Belastungen für die Umwelt wurden als tragbar eingestuft.
Wie auf der Karte erkennbar, liegen mitten in der Plantage, fast wie Inseln, die beiden alten Dorfgemeinschaften Desa Pujorahayu und Desa Sidomulyo , die bei der Plantagengründung nicht bereit waren, an dem Projekt teilzunehmen. Heute leben sie von einer wenig produktiven Subsistenzwirtschaft und fühlen sich als die Verlierer des Projekts.
U. Scholz

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Einzelbild aus der 360°2/2011 Unterrichtseinheit, zur Beamer- oder Whiteboardprojektion im Unterricht.
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