Nordrevier - Grundwasserabsenkung/Maßnahmen

Rheinisches Braunkohlenrevier

978-3-14-100700-8 | Seite 51 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 250.000
Nordrevier | Grundwasserabsenkung/Maßnahmen | Rheinisches Braunkohlenrevier | Karte 51/1

Informationen

Auf der Karte über die Grundwasserabsenkung im Raum Mönchengladbach zwischen 1955 und 2005 lassen sich drei Themenschwerpunkte erkennen: Die Ausdehnung der Grundwasserabsenkung in der betroffenen Region, die potenzielle Beeinträchtigung der regionalen Trink- und Brauchwasserversorgung und ihre gezielte Vermeidung durch Wasserzuleitung und schließlich die Erhaltung von grundwasserabhängigen Feuchtgebieten und Fließgewässern durch künstliche Wasserzufuhr.

Wasserwirtschaft in Garzweiler I
Verantwortlich für die Grundwasserabsenkung im Nordrevier sind vor allem die Sümpfungsmaßnahmen, die zur Trockenhaltung des Tagebaus Garzweiler I durchgeführt werden. Ohne Gegenmaßnahmen würde sich die Absenkung des Grundwassers weiter ausdehnen, wodurch die auf Grundwasserförderung basierende Wasserversorgung im Raum Mönchengladbach gefährdet wäre. Überdies würden die Quellregionen von Fließgewässern wie Jüchener Bach, Niers, Schwalm und Mühlenbach zeitweise austrocknen und grundwasserabhängige Feuchtgebiete an Niers und Schwalm stark gestört werden. Zur Vermeidung oder Verminderung solcher Folgeschäden wird deshalb ein Teil des im Tagebau Garzweiler I gehobenen Wassers mit Rohrleitungen in die Umgebung der Wasserwerke und Feuchtgebiete gebracht und dort in den Untergrund versickert. In den Quellregionen einiger Gewässer wird die Wasserführung auch durch Direkteinleitungen gesichert. Die aus den Einzelsäulen in der Karte bestimmbaren Wassermengen sind vom Betreiber RWE Rheinbraun durch eine Wasserzuführungsverpflichtung zu decken.

Grundwasserabsenkung durch Tagebau
Die Gewinnung von Braunkohle im Tieftagebau setzt voraus, dass eine Absenkung des Grundwassers bis unter die Tagebausohle erfolgt. Daher müssen im Umfeld des Tagebaus die oberhalb der Braunkohle gelegenen Grundwasserleiter entleert und die unterhalb der Flöze liegenden Schichten vom Wasserüberdruck entspannt werden. Dies erfolgt mit Galerien von Brunnen im Bereich des aktiven Tagebaufeldes. Durch den seit Mitte der 1950er-Jahre vollzogenen Übergang zur Großtechnologie mit wenigen, flächenhaft ausgedehnten Abteufungsarealen gehen sowohl Grundwasserabsenkung als auch Grundwasserentspannung deutlich über den engeren Tagebaubereich hinaus. Die tatsächliche räumliche Ausdehnung ist abhängig sowohl von Ausmaß und Dauer der Grundwasserentnahme als auch von den tektonischen (Verwerfungen, Schollenbildung) und stratigraphischen (Schichtung, Durchlässigkeit, Stockwerksgliederung) Strukturen des Untergrundes. Die durch Verwerfungen begrenzten Schollen führen im Wesentlichen ein hydrologisches Eigenleben; bereichsweise können aber durch "geologische Fenster" auch Einflüsse auf Nachbarschollen auftreten.
Die Diskussion um die Folgen der Grundwasserabsenkung erreichte um die Mitte der 1970er-Jahre bei der Planung des Großtagebaus Hambach erstmals eine breitere Öffentlichkeit. Denn auch in erheblicher Entfernung von den Tagebauen sind die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen der Grundwasserabsenkung noch spürbar. Verbindliche Auflagen seitens des Gesetzgebers, in diesem Fall des Landes Nordrhein-Westfalen, geben inzwischen vor, dass der Braunkohlenabbau ökologisch vertretbar sein muss. So entstand in den 1980er-Jahren ein ökologisches Anforderungsprofil für den bestehenden Tagebau Garzweiler I, das vom Betreiber zu erfüllen ist. Eine der Anforderungen lautet, dass jährlich rund 55 Mio. Kubikmeter Wasser aus der Sümpfung zur Trockenhaltung des Tagebaus in verschiedene Bereiche der betroffenen Region geliefert werden müssen, um Beeinträchtigungen des Wasser- und Naturhaushaltes ausgleichen oder vermeiden zu können.
Die Erfahrungen, die seit den 1980er-Jahren mit Maßnahmen wie diesen gemacht wurden, zeigen, dass die Ausweitung der Grundwasserabsenkung in sensiblen Gebieten vermieden werden kann. Für die Fortführung des Braunkohlenabbaus im Anschlusstagebau Garzweiler II, in dem 2006 der Betrieb aufgenommen wurde, mussten auch die Ausgleichsmaßnahmen fortgeführt und verstärkt werden. Von Jüchen aus führt derzeit ein rund 125 Kilometer langes Rohrleitungssystem zu verschiedenen Feuchtgebieten. Dieses Pipelinesystem wird parallel zur Ausweitung des Tagebaus Garzweiler nach Westen fortentwickelt. Mit einem intensiven Überwachungsprogramm (Monitoring) soll außerdem sichergestellt werden, dass insbesondere die Feuchtgebiete des internationalen Naturparks Maas-Schwalm-Nette vor Grundwasserabsenkungen verschont bleiben.
B. Bucher

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