Das Podelta wächst heute entlang der einzelnen Flussarme in die Adria. Durch Sedimentation erhöht der Po sein eigenes Bett, sodass der Fluss nach seiner Eindeichung als Dammfluss höher als das umgebende Land fließt. In der Lagune von Venedig ist der schleichende Aufschüttungs- und Verlandungsprozess in der Vergangenheit durch Eingriffe der Stadt Venedig unterbrochen worden. Die Lagune gliedert sich in Verlandungsbereiche, die nur noch bei Sturmfluten vom Meer überflutet werden (laguna morta), und in dauernd überschwemmte Bereiche (laguna viva). Die Stadtgemeinde Venedig umfasst heute neben dem historischen Altvenedig auch Marghera und Mestre (Festland), die Laguneninseln und den Lido.
Verlagerung des Deltas
In der Zeit vor dem künstlichen Eingriff des Menschen wurde die Ausdehnung des Deltas in Richtung Adria durch die Küstenströmung verzögert. In römischer Zeit lag das Mündungsgebiet des Po noch südlich von Comacchio (s. Beikarte). Die Sedimente wurden zu dieser Zeit küstenparallel verfrachtet und dabei zu fünf bis sieben Meter hohen Strandwällen aufgeschüttet. Auf einem solchen Strandwall verläuft die Via Romea. Die dabei entstandenen Lagunen wurden ebenso wie die durch Verdichtung und Absenkungen entstandenen Mulden durch Flusssedimente allmählich aufgeschüttet. Das Delta rückte langsam und auf breiter Front vor, mit einer Geschwindigkeit von etwa 450 Metern pro Jahrhundert. Dies zeigen die Küstenlinien bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts.
Mit dem Beginn der Neuzeit nahm die Deltaentwicklung andere Formen an. Durch die im Hinterland verstärkte Entwaldung und Landnutzung wuchs die Sedimentmenge des Po und seiner Nebenflüsse stark an; die Eindeichung des Flusses zum Schutz des Landes vor Überschwemmungen beschleunigte den Transport von Wasser und Material. Der Dünen- und Strandwallgürtel wurde durchbrochen und das Delta nicht mehr flächenhaft, sondern an der Spitze der einzelnen Flussarme in das Meer vorgebaut. Die Wachstumsrate betrug nun etwa sieben Kilometer pro Jahrhundert. Die Konzentration des Po auf wenige Arme aufgrund wasserbautechnischer Maßnahmen führte dazu, dass das Delta seit den 1970er-Jahren nur noch im Bereich des Po della Pila und des Po di Goro wächst. In den anderen Bereichen wird es heute hingegen wieder abgebaut. Das Deltawachstum hat sich verlangsamt, da die Sedimentfracht durch den Sandabbau im Fluss geringer geworden ist.
Die Lagune von Venedig zeigt das Bild eines älteren Entwicklungsstadiums des Podeltas. Die Venezianer gruben 1599 bis 1604 einen Durchbruch bei Taglia di Po, im Südosten des Städtchens Adria, und schufen damit den heutigen Hauptentwässerungsarm des Flusses. Vorher lag die Hauptmündung weiter nördlich beim Po di Levante und bei der Mündung der Etsch, sodass die mehr nach Norden gerichtete Deltaschüttung die Lagune von Venedig bedrohte. Schon seit dem 14. Jahrhundert hatten die Venezianer die Brenta, die einst im Canale Grande durch die Stadt floss und deren Sedimente die Lagune versanden ließen, im "Brenta-Kanal" um die Lagune herum geführt und ihr eine neue Mündung geschaffen. Ähnlich wurde im Norden mit dem Sile-Fluss verfahren.
Umweltbelastung durch Industrialisierung
Die Lagune von Venedig ist die größte im Mittelmeer und wurde vom Worldwide Fund for Nature (WWF) zu einem der wichtigsten Schutzgebiete für Zugvögel in Europa erklärt. Die Vereinten Nationen haben die Lagune in ihr MAR-Programm aufgenommen, in dem alle Wattgebiete von internationaler Bedeutung enthalten sind.
Die Verschmutzung durch die Industrien an der Festlandsküste hat sich zwar in den letzten Jahren verringert, aber dennoch werden noch immer große Mengen toxischer Substanzen wie Zink, Blei, Chrom und Quecksilber vor allem durch den Po in die Adria eingeschwemmt. Sichtbares Zeichen des ökologischen Ungleichgewichts sind in jüngster Zeit sowohl die starke Zunahme von Algenblüten und Quallenplagen als auch das vermehrte Auftreten tropischer Fischarten. Überdies haben sich Schwermetalle im Laufe der Jahre in den Sedimenten abgelagert. In vielen Gebieten ist der Muschelfang daher verboten. Auf der ersten nationalen Klimakonferenz in Italien im September 2007 warnte Italiens Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio, dass sich die Adria durch das Zusammenspiel von Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung schon in absehbarer Zeit zu einem Gewässer entwickeln könnte, in dem es in einer Tiefe von 150 Metern kein Leben mehr gibt.
Eine große Gefahr für das fragile Ökosystem der Lagune sind auch die Wellen, die durch den immer dichter werdenden Bootsverkehr auf die morastigen grasbewachsenen Inselchen (barene) einwirken, die gerade noch die Oberfläche des Wassers durchbrechen und ein Paradies für Pflanzen und Wasservögel sind. Viele Sumpfgebiete sind inzwischen von Holzpfählen eingezäunt, um sie vor der Brandung zu schützen. Die kommerziellen Interessen von Transportunternehmen, Wassertaxis und Touristenbooten haben bislang eine Regulierung des Verkehrs verhindert. Der tiefe Kanal, durch den die Tanker nach Porto Marghera fahren, beeinträchtigt die Gezeiten in der Lagune.
W. Döpp
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