Unter den großen Industrienationen zählen Deutschland und Japan zu jenen Staaten, die in bedeutendem Maße auf Rohstoffimporte, vor allem im Energiebereich, bei den Eisen- und Metallerzen, zum Teil auch bei landwirtschaftlichen Produkten, angewiesen sind.
Im Falle Deutschlands wird die Einfuhr der wichtigsten Rohstoffe zum einen durch die EU-Integration und zum anderen durch eine Reihe internationaler Handelsabkommen gesichert. Die deutsche Wirtschaft ist traditionell exportorientiert. Sowohl die Importe als auch die Exporte stiegen seit den 1960er-Jahren kontinuierlich an, wobei vor allem ab den späten 1990er-Jahren starke Zuwachsraten verzeichnet werden konnten. 2005 erreichten sowohl Importe als auch Exporte ein Rekordniveau, gleiches gilt für den Außenhandelsüberschuss in Höhe von 158,1 Mrd. Euro.
Die Karte zeigt, dass die Rohstoffversorgung der Bundesrepublik Deutschland sehr stark von Einfuhrgütern von allen Kontinenten abhängig ist. Der Import an Steinkohle stammt etwa zu gleichen Teilen einerseits aus den EU-Staaten einschließlich Russlands und andererseits aus Übersee. Die größten Anteile an der überseeischen Steinkohle hatte im Jahre 2005 Südafrika (8,3 Mio. Tonnen), gefolgt von Australien (4,2 Mio. Tonnen), Kolumbien (3,0 Mio. Tonnen) und anderen Ländern wie Kanada, den USA, China, Vietnam und Indonesien. Insgesamt wurden 36,5 Mio. Tonnen importiert; die deutsche Förderung belief sich auf 27 Mio. Tonnen. Wichtigster Vorzug der Importländer waren die niedrigen Produktionskosten ihrer im Tagebau geförderten Steinkohle.
Ein tiefgreifender Wandel hat sich seit 1980 in der regionalen Verteilung der Rohöleinfuhr vollzogen. Aufgrund der politischen und schließlich auch kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten dem ersten Golfkrieg zwischen Irak und Iran (19801988) und dem zweiten und dritten Golfkrieg zwischen Irak und den alliierten Verbündeten unter Führung der USA 1991 und 2003, aber auch aufgrund der Erschließung neuer Erdölvorkommen in der Nordsee und der Energiesparpolitik der westlichen Industriestaaten hat der Nahe Osten seine dominierende Stellung in der Rohölversorgung der Bundesrepublik Deutschland eingebüßt. 1973 stammten noch mehr als 96 Prozent der Ölimporte aus OPEC-Staaten, inzwischen haben sie eine deutlich nachrangige Bedeutung. 2005 kamen etwa zwei Fünftel der deutschen Erdöl- und Erdölprodukt-Importe aus der EU, andere wichtige Zulieferer waren u. a. Russland, Norwegen, Libyen und Kasachstan; die Inlandsförderung ist nahezu bedeutungslos.
Heute werden in der deutschen Stahlindustrie nur noch hochwertige Eisenerze (über 65 Prozent Eisengehalt) aus dem Ausland eingesetzt, überwiegend überseeische Eisenerze aus Brasilien, Kanada und Australien, aber auch aus Mauretanien und Südafrika. Bei Buntmetallen und Stahlveredlern wurden nur die wichtigsten überseeischen Bezugsländer auf der Karte berücksichtigt: Kupfererz aus Papua-Neuguinea, Mexiko und Chile; Blei- und Zinkerze aus Kanada und Australien. Darüber hinaus ist Polen ein wichtiger Lieferant von Rohkupfer und Kupferlegierungen. Deutschland bezieht große Mengen Bauxit aus dem Norden Australiens, aus China und Guayana. Rohaluminium liefern vor allem Norwegen und Russland.
2005 importierte Deutschland Waren im Wert von insgesamt 625 Mrd. Euro. Die wichtigsten Handelspartner waren dabei die EU-Länder, die 59 Prozent aller deutschen Importe stellten. Die wichtigsten Nicht-EU-Partner bei den Importen waren die USA (8,3 Prozent), gefolgt von Japan (Anteil 4,1 Prozent) und der Schweiz (3,6 Prozent). Die ASEAN-Staaten kamen nur auf einen Anteil von rund 2,6 Prozent. Allerdings spricht manches dafür, dass sich ihre Bedeutung steigern könnte.
T. Topel
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