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Unter-Ägypten - Bevölkerung

aus 978-3-14-100700-8 auf Seite 136 Abb. 1
Diercke Karte Unter-Ägypten - Bevölkerung

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Unter-Ägypten - Bevölkerung
Die Karte zeigt die Verteilung und das Wachstum der Bevölkerung im Nildelta und im nördlichen Teil des Niltals. Außerdem illustriert sie die Neuerschließung und die Verluste von Kulturland. Damit thematisiert die Karte eine Problematik, die nicht isoliert von der gesellschaftlichen und ökonomischen Situation des Landes betrachtet werden kann. Ein deterministisches Interpretationsmuster, das nur auf Naturfaktoren, Bevölkerungswachstum und Tragfähigkeit abhebt, würde der komplexen Entwicklung Ägyptens nicht gerecht werden.
Bis heute ist die Bevölkerung Ägyptens – inzwischen mehr als 70 Mio. Menschen – fast ausschließlich auf Siedlungen innerhalb des Kulturlandes konzentriert, während die Wüstengebiete, die immerhin 96 Prozent der Landesfläche einnehmen, nahezu menschenleer sind. In Oberägypten ist das fruchtbare Kulturland wegen der Morphologie des Niltals auf einen schmalen, nur wenige Kilometer breiten Streifen beschränkt, während sich das Delta nach Norden in Richtung zum Mittelmeer in einem Dreieck von etwa 180 Kilometer Seitenlänge öffnet. Ein Sonderfall ist die Faiyum-Oase, die von einem im Karun-See endenden Nebenarm des Nils gespeist wird. Die Hauptstadt Kairo liegt an der für die Raumstruktur des Landes bedeutsamen Nahtstelle zwischen Ober- und Unterägypten. Die Bevölkerungsverteilung Ägyptens ist, wie die Karte deutlich erkennen lässt, durch extreme Dichtegegensätze gekennzeichnet. Rund 80 Prozent aller Ägypter leben im Delta und im Großraum Kairo.

Bevölkerungswachstum, Verstädterung und Landknappheit
Die räumliche Verteilung der Siedlungen hat sich seit der Antike nicht grundlegend verändert. Allerdings ist die Zahl der Bevölkerung von rund 4 Mio. Menschen zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf rund 70 Mio. angestiegen. In den vergangenen zwei Jahrhunderten wurden große Anstrengungen unternommen, das Kulturland in die Wüste auszudehnen und die Bewässerungswirtschaft zu intensivieren, aber trotzdem hat sich die verfügbare Erntefläche pro Kopf der Bevölkerung in diesem Zeitraum immer weiter verringert. Damit zählt das Niltal zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Erde und die Metropole Kairo mit ihren rund 15 Mio. Einwohnern zu den weltgrößten Stadtagglomerationen.
In den vergangenen 100 Jahren stieg der Anteil der Stadtbewohner an der Gesamtbevölkerung von 20 auf fast 50 Prozent an. Diese Entwicklung ging einher mit einer starken räumlichen Expansion der Städte und der ländlichen Siedlungen, was zu einer fortschreitenden Überbauung der landwirtschaftlichen Nutzflächen führte. Inzwischen ist die Errichtung von Neubauten auf Ackerland durch gesetzliche Auflagen erheblich eingeschränkt, und auch in den Städten und Dörfern des Nildeltas kommt es zu einer vertikalen Expansion durch Aufstockung bestehender Häuser.

Assuan-Hochdamm und Neulandgewinnung
Mit der Errichtung des Assuan-Hochdamms in den 1960er-Jahren verfolgte Ägypten mehrere Zwecke. Dazu zählten die vollständige Umstellung von Becken- auf Kanalbewässerung auch in Oberägypten, die Intensivierung der Nutzung des vorhandenen Kulturlandes durch die Ermöglichung von zwei Ernten pro Jahr, die Neulandgewinnung und die Stromerzeugung; letztere sollte die Grundlage einer geplanten, aber nur unvollständig realisierten Industrialisierung sein. Außerdem versprach der Hochdamm als Mehrjahresspeicher eine größere Sicherheit gegen Abflussschwankungen des Nils und gegen Dürren.
Die Umstellung auf ganzjährige Dauerbewässerung hatte sowohl positive als auch negative Folgen. Zu den Nachteilen zählte, dass aufgrund des Ausbleibens der regelmäßigen Auswaschung des Bodens und der fehlenden Ablagerung von Nilschlamm die Bodenfruchtbarkeit abnahm, während sich gleichzeitig die Versalzung und Versumpfung, vor allem in den Randbereichen des Deltas und in der Faiyum-Oase, intensivierte. Außerdem kam es infolge der reduzierten Sedimentfracht des Flusses zu einer verstärkten Erosion an den Flussufern und entlang der Deltaküste. Positive Effekte des Staudamms waren die Intensivierung der Bewässerung, die Energiegewinnung und der Ausgleich von langjährigen Schwankungen des Nilabflusses. Am wichtigsten war der Staudamm für die Ausdehnung des Kulturlandes insbesondere im Westen und Osten des Deltas, sogar auf der Ostseite des Suezkanals auf dem Sinai und heute für das Toshka-Projekt (siehe 143).
D. Müller-Mahn


Stichworte: Bevölkerungswachstum Bodenversalzung Delta Deltamündung Düne Entlastungszentrum Flussoase Kulturlandschaft Küstenströmung Küstenveränderung Mittelmeer Mittelmeerraum Neulandgewinnung Salzpfanne Salzsee Schwemmland Städtewachstum Ägypten

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