Der Pädagoge Carl Diercke (* Kyritz 1842,
Berlin 1913) beriet seit 1875 den Verleger George Westermann, Braunschweig,
bei dessen Atlantenvorhaben. Vorher unterrichtete er in Berlin und
als Privatlehrer in Riga, war seit 1869 Seminarlehrer in Berlin,
seit 1873 Seminardirektor in Stade und später Schulrat in Osnabrück
und Schleswig.
Mit dem "Schul-Atlas über alle Teile der Erde" für
höhere Lehranstalten gab er 1883 sein erstes Kartenwerk bei
Westermann heraus (Kartographie: Eduard Gaebler, Glogau; 47 Auflagen).
Seine hervorragenden didaktischen Fähigkeiten spiegeln sich
in weiteren, ebenso erfolgreichen Bearbeitungen, wie dem Lange-Diercke-Atlas
für Volks- und Realschulen mit ca. 80 nationalen und internationalen
Ausgaben sowie zahlreichen Wandkarten.
Was ist der Unterschied zwischen dem "blauen"
und dem "grünen" Diercke?
Der "blaue Diercke" (Diercke Weltatlas)
ist mit 275 Seiten der führende Schulatlas für die Sekundarstufen
I und II. Auf seinen 239 Kartenseiten finden sich viele Fallbeispiele,
die besonders in der Oberstufe zum Einsatz kommen, in Leistungskursen
oder bei Abiturklausuren.
Der "grüne Diercke" (Diercke Weltatlas, Ausgabe 2)
ist das Kartenwerk für die Sekundarstufe I. Er beinhaltet die
thematischen SEK-II-Karten nicht und hat deshalb nur einen Umfang
von 219 Seiten (davon 184 Kartenseiten) und einen entsprechend niedrigeren
Anschaffungspreis.
In Inhalt und Gestaltung sind die Karten der Ausgabe 2 mit denen
des "blauen Diercke" weitestgehend identisch.
Warum gibt es jetzt auch den DIERCKE DREI?
DIERCKE DREI ist der Universalatlas für den fächerverbindenden
Unterricht. Er ist für den naturwissenschaftlich und auch gesellschaftswissenschaftlich
orientierten Unterricht konzipiert. Bei 216 Seiten (davon 194 Kartenseiten
und 6 Seiten Kartenkurs) liegt sein inhaltlicher Schwerpunkt weniger
bei geographischen Fallbeispielen für die Oberstufe, sondern
vielmehr bei vielfältigen fachlich-thematischen Zugriffen auf
raumbezogene Sachverhalte und Probleme. Globale Sichtweisen werden
durch einen lebendig gestalteten Atlaseinstieg gefördert: die
Entwicklung der Erde bis zur Gegenwart. Historische Karten werden
mit dem Zeitstrahl chronologisch eingeordnet. Zahlreiche Kartenvergleiche
ermöglichen Politik- und Landschaftsgeschichte anschaulich
zu erschließen. Das Kartenbild ist bewusst einfach und klar
gehalten. Ein Kartenleitsystem verweist auf die unmittelbaren Möglichkeiten
der Nutzung einer Atlasdoppelseite in Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde,
Religion, Sprachen, Biologie, Physik oder Chemie.
Die Daten innerhalb unseres Diercke-Klassensatzes
weichen voneinander ab - lässt sich das nicht vermeiden?
Der Diercke Weltatlas wird jedes Jahr nachgedruckt
(s. Angaben "Druck" und "Herstellungsjahr" vorne
im Impressum). Eine umfassende inhaltliche Überarbeitung und
Aktualisierung findet alle paar Jahre statt. Dann ändert sich
die Auflagennummer ("5. aktualisierte Auflage 2002").
Sind in einem Klassensatz Ausgaben aus verschiedenen Auflagen vermischt,
kann es bei der Kartenarbeit u.U. zu Irritationen kommen. Die Unterschiede
zwischen den jährlichen Nachdrucken sind dagegen so minimal,
dass sie in der Unterrichtspraxis erfahrungsgemäß nicht
ins Gewicht fallen.
Wie kommen Sie an die neuesten Detail-Informationen
aus fernen Ländern?
Jede Karte im Diercke Weltatlas hat einen oder mehrere
inhaltliche Betreuer (s. S. 273 im blauen Diercke). Diese Kartenautoren
arbeiten an Universitäts-Instituten der Geographie und benachbarter
Fächer, in Behörden oder an Schulen im In- und Ausland
und sammeln Informationen zu Veränderungen in "ihrer Karte".
Zusätzlich findet in der Kartenredaktion des Verlages eine
laufende Raumbeobachtung durch Auswertung von Publikationen, Luft-
und Satellitenbildern und Internet-Recherchen statt. Mit manchen
anderen kartographischen Verlagen im Ausland gibt es zudem einen
Informationsaustausch.
Ich habe noch einen alten DIERCKE aus den fünfziger
Jahren - wieviel ist der wert?
Die Auflage von Westermann-Atlanten war schon immer
ziemlich hoch, so dass sich die Sammlerwerte bis heute in Grenzen
halten. Dafür findet man aber immer mal wieder gut erhaltene
Atlanten auf dem Trödelmarkt oder im "modernen Antiquariat".
Die Auflagen des "grünen Diercke" (1950 - 1955) sind
bei durchschnittlicher Erhaltung etwa 10 Euro wert. (Ein originaler
Schul-Atlas aus den ersten 30 Auflagen (1883 - 1894) wird dagegen
deutlich über 100 Euro gehandelt.) Einen genauen bibliographischen
Überblick der ersten 88 Auflagen (bis zum Erscheinen des "braunen
Diercke" 1957) incl. der jeweiligen Preisorientierung für
Atlanten-Liebhaber gibt das Buch "DIERCKE - ein Atlas für
Generationen" von Jürgen Espenhorst und Erhard Kümpel
(Pangaea Verlag, Schwerte 1999, ISBN 3-930401-50-9)
Beziehen sich die hier präsentierten web-maps
auf konkrete Seiten im Diercke Weltatlas oder im Schulbuch?
Die web-maps unter www.diercke.de erweitern zwar die
Möglichkeiten der Arbeit mit dem Atlas und dem Schulbuch, beziehen
sich aber nicht zwingend auf spezielle Buchseiten. Für die
web-maps ausgewählt wurden Themen, bei denen sich bestehende
WWW-Informationen über ihren Raumbezug besser erschließen
lassen. Die sensitiven Karten bieten eine andere, einfache Art des
Zugriffs auf WWW-Inhalte - sinnvoller, als es klassische Linklisten
oder Tabellen vermögen.
Zu den Karteninhalten des DIERCKE Weltatlas:
In unseren Atlanten hat sich die Höhe des Mt.
Everest geändert - warum?
Dass sich die Höhenangaben für die höchsten
Berggipfel immer noch ändern, liegt generell an den veränderten
Methoden zur Höhenbestimmung. Während man in früheren
Jahrzehnten auf Vermessung mit optischen Geräten oder im Hochgebirge
zum Teil auch allein auf barometrische Höhenmessung (indirekte
Ableitung der Höhe aus dem Luftdruck) angewiesen war, gibt
es heute mit der Höhenbestimmung durch Radarsatelliten eine
hochgenaue Meßmethode, die freilich immer noch keine endgültigen
Ergebnisse liefert.
Der Westermann Schulbuchverlag eignet sich allerdings nicht als
Schiedsstelle für die Bestimmung der genauen Höhe des
Mount Everest, wurde die doch im Verlauf der letzten 100 Jahre fast
zehnmal auf den Karten abgeändert.
An der Höhenangabe 8872m haben wir solange festgehalten, wie
sie noch vom IfAG, dem Institut für Angewandte Geodäsie
in Frankfurt, verbreitet wurde. Seit diesem Jahr wird der Mount
Everest in unseren Atlanten mit 8846m angegeben, weil diese Höhenangabe
(aus Radar- und GPS-Messungen) sich in Deutschland durchzusetzen
scheint, s. z.B. Statistisches Bundesamt.
Das ändert nichts daran, dass die US-amerikanische National
Geographic Society die angeblich genaueste Messung für sich
in Anspruch nimmt - von drei Seiten aus vorgenommen und mit dem
Ergebnis 8850m ü. NN.
Eine dermaßen exakte Höhenbestimmung bleibt auch eine
höchst relative Angelegenheit, denn man muss ja bedenken, dass
der Meeresspiegel nicht überall gleich weit von Erdmittelpunkt
entfernt ist. Zum Ausdruck kommt das in der Vorstellung des Geoids:
der Fläche, die durch ein absolut ruhiges Meer ohne Gezeiten
gebildet würde. Durch Schwereanomalien der Erdoberfläche
ist diese Fläche ziemlich gewellt und weicht um ±50m
von einem ideal runden Erdellipsoid ab. Auf dieses "Normal-Null"
Bezug zu nehmen, ist also ziemlich verwegen.
Warum ist unser Heimatort nicht im Diercke Weltatlas
zu finden?
Auf den drei Diercke-Doppelseiten mit physischen Karten
zu Deutschland im Maßstab 1 : 1,5 Mio. können alle Orte
über 20 000 Einwohner gezeigt werden. Orte unter 20 000 Einwohner
werden nur ausnahmsweise in die Karten aufgenommen - in den Fällen,
wo sie eine hohe (meist kulturelle) Bedeutung haben.
Eine derartige kartographische Vereinfachung wird Generalisierung
genannt und besteht neben dem Auswählen bzw. Fortlassen von
Karteninhalten aus den wichtigen Vorgängen: Vereinfachen von
Formen, Vergrößern und Verbreitern, Verdrängen (leichtes
Versetzen), Zusammenfassen und Klassifizieren sowie Bewerten und
Betonen.
Selbst wenn in Einzelfällen der Eindruck entstehen mag: "unser
Ort hätte doch noch da hin gepasst", ist doch zu bedenken,
dass zu viel Schrift die Karten optisch "zusetzt" und
die Zuordnung von Namen zu den Ortspunkten erschwert.
Finden Sie es noch zeitgemäß, Orte in Osteuropa zuerst auf deutsch und nur in Klammern mit dem
landessprachlichen Namen zu beschriften?
An der Konvention, Orte im Ausland in erster Linie
mit ihrem deutschen Namen zu beschriften - sofern ein solcher existiert
- und den Namen in Landessprache nur in Klammern hinzuzufügen,
hält der Westermann Schulbuchverlag fest, weil diese Art der
Beschriftung so von der deutschen Kultusministerkonferenz beschlossen
worden ist (zuletzt 1991). Es handelt sich also um eine Verbindlichkeit
für alle Hersteller von schulkartographischen Materialien.
Beim Kartenvergleich haben wir festgestellt, dass manche Orte mit unterschiedlicher Einwohnerzahl
in den Atlas eingetragen sind - ein Fehler?
Beim Vergleich von physischen Karten verschiedener
Maßstäbe gibt es in der Tat Fälle, wo in den kleinmaßstäblichen
Kontinent-Überblickskarten andere Signaturen verwendet werden
als in den großmaßstäblicheren Detailkarten. Der
Grund ist, dass in den großen und mittleren Maßstäben
noch alle Städte vollständig gezeigt werden können
- mit den Einwohnerzahlen innerhalb ihrer Stadtgrenzen. Umliegende
kleinere Städte sind mit separaten Signaturen ausgewiesen.
In den kleinen Überblicksmaßstäben werden dagegen
Ballungsräume statt Städte ausgewiesen. Die Einwohnerzahlen
sind deshalb höher, da jetzt die gesamte Siedlungsballung um
eine Kernstadt (oder mehrere wie beim Ruhrgebiet) betrachtet wird.
Welche Daten stehen hinter den Industrie- und Bergbau-Signaturen
in der Diercke Wirtschaftskarte - Beschäftigte, große Firmen, Branchenumsatz, Börsennotierung, ...?
Es gibt keine kontinentweit oder gar weltweit einheitliche
Datenbasis für Wirtschaftskarten. Die Industriesignaturen sollen
die Prägung der örtlichen Güter produzierenden Wirtschaft
verdeutlichen. Immer aber dienen Angaben zum Firmenbesatz bzw. zur
Branchenstruktur von Städten und Gemeinden als Grundlage -
daraus speziell die Angaben zu Beschäftigtenzahlen (in Ausnahmefällen
auch Angaben zum Jahresumsatz). Große Kartenzeichen stehen
fast immer für national bzw. international wichtige große
Firmenstandorte mit vielen Beschäftigten, kleine Industriesignaturen
stehen oft auch für eine überdurchschnittliche örtliche
Ballung kleiner Firmen einer Branche (z.B. bei der Textilindustrie).
Bergbausignaturen sind in ihrer Größe nach den Fördermengen
bzw. dem Anteil an der Gesamtförderung (eines Staates, bzw.
in anderen Maßstäben weltweit) abgestuft.
Die Charakterisierung einer Region durch Industrie- und Bergbausignaturen
ist natürlich nicht vollständig, sondern dient nur der
Hervorhebung regionaler Unterschiede und Eigenheiten.
Eine auf Börsennotierungen basierende Wirtschaftskarte sähe
ganz anders aus (Dominanz von "global player"- und Dienstleistungs-Unternehmen);
ihr Kartenbild wäre aber wegen der starken Schwankungen von
Börsenkursen kaum von Dauer.
Warum weist der im Erdinneren eingetragene Stabmagnet
auf der Karte "Pole und Magnetfeld der Erde" mit seiner
grünen Hälfte Richtung Nordpol?
Der eingezeichnete kleine Stabmagnet im Erdmittelpunkt
soll keine bewegliche Kompassnadel sein, sondern sozusagen "die
Quelle der Magnetfeldlinien" im und um den Globus, von der
gegensätzlich magnetisierte Kompassnadeln angezogen werden.
Die Konvention ist in der Tat, dass die rote Hälfte einer Magnetnadel
auf der Erdoberfläche Richtung Norden zeigt. Nahe des Nordpols
(am "magnetischen Südpol") tauchen die Magnetfeldlinien
in den Globus ein - das rote Ende der Nadel will ihnen streng genommen
folgen. Es fühlt sich vom Grün (wie es im Atlas nördlich
des Erdmittelpunktes zu sehen ist) angezogen. In eben dieser Ausrichtung
(rot "unten", grün "oben") würde die
Magnetnadel entlang der Erdachse den Globus Richtung Südpol
durchwandern, um dort (am "magnetischen Nordpol") mit
der roten Spitze zuerst wieder ans Tageslicht zu kommen und sich
sogleich auf der Erdoberfläche Richtung Norden auszurichten.
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