Desertifikation (Wüstenbildung)

Erde – reale Vegetation/Landnutzung

100750 | Seite 180 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 180.000.000
Desertifikation (Wüstenbildung) |  | Erde – reale Vegetation/Landnutzung | Karte 180/2

Überblick


Die Karte zeigt die Ausbreitung und das Ausmaß von „Desertifikation“ – ein Umweltproblem, das weltweit auftritt.

Desertifikation – was ist das?
Hinter dem Begriff „Desertifikation“ steckt mehr als einfach „Wüstenbildung“. Desertifikation beschreibt die Ausbreitung von Wüsten oder wüstenähnlichen Landschaften in Gebieten, die allein aufgrund ihres Klimas nicht davon betroffen sein dürften. Zwar spielt auch das Klima bei der Desertifikation eine wichtige Rolle, doch nicht als entscheidende Ursache (im Gegensatz zu Dürren, die allein durch das Klima – nämlich Trockenheit – ausgelöst werden).
Der Begriff „Desertifikation“ bedeutet übersetzt so viel wie „Wüstmachen“ oder „Verwüsten“. Damit ist der Eingriff durch den Menschen gemeint. So gilt die intensive Nutzung durch den Menschen als wesentliche Ursache für Desertifikation. Die Eingriffe sind vielfältig: Überbeanspruchung von Ackerland (z. B. durch Monokulturen, zu kurze Brachezeiten, nicht angepasste Landmaschinen, Einsatz von Pestiziden), Überweidung (zu große Herden) und Abholzung (Waldrodungen zum Gewinn von Ackerland). Verschärfend kommt oft ein Bevölkerungswachstum hinzu, wodurch mehr Nahrungsmittel benötigt werden und damit mehr Acker- und Weideflächen. Steigende Wasserentnahmen aus Flüssen und Tiefbrunnen führen zudem zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels.
All diese Eingriffe haben – gerade in trockenen (ariden/semiariden) Gebieten – dramatische Folgen: Die Vegetation geht zurück oder wird vollständig zerstört, es kommt zu Wasserknappheit und die Böden werden abgetragen (durch Wind und Wasser), versanden oder versalzen. Im Extremfall kommt es zur Ausbildung von Skelettböden. Das Land wird unfruchtbar und es verödet – so gehen Wiesen, Weiden und Ackerland verloren und es entstehen Wüsten oder wüstenähnliche Landschaften. Man spricht auch von „Man-Made-Deserts“.

Desertifikation – ein weltweites Umweltproblem
Die Karte zeigt, dass inzwischen Regionen in allen bewohnten Kontinenten von Desertifikation betroffen sind, insbesondere Afrika, die Arabische Halbinsel, Zentralasien, Australien und der Westen des amerikanischen Doppelkontinents.
Als „gefährdet“ werden in der Karte Gebiete mit einem günstigeren (semiariden) Klima bezeichnet, in denen der Druck des Menschen auf die Landschaft wächst, aber noch nicht übermäßig stark ist. Zu den von Desertifikation bereits „betroffenen“ Gebieten zählen fast alle Wüstenrandgebiete wie Halbwüsten, Steppen und Dornstrauchsavannen. Bei den „stark betroffenen“ Gebieten handelt es sich zum Teil um naturräumlich günstigere Gebiete, in denen aber eine übermäßig starke Nutzung durch den Menschen stattfindet (z. B. südliche Sahelzone oder Mittelmeerküste Spaniens).

Maßnahmen zur Bekämpfung
Während sich Landschaften nach Dürreperioden wieder erholen können, ist eine Landschaftsverwüstung durch Desertifikation nur schwierig oder gar nicht mehr rückgängig zu machen. Dennoch gibt es Maßnahmen zur Bekämpfung von Desertifikation. Hierzu zählen angepasste, das heißt schonende Anbaumethoden (etwa die Anlage von Terrassen, Steinwällen und Hecken) und die Aufforstung von gerodeten Waldflächen. Auch könnten Anreize dafür geschaffen werden, dass die betroffenen Menschen ihren Lebensunterhalt außerhalb der Landwirtschaft erzielen oder etwa auf Agroforstwirtschaft umstellen (Ackerflächen mit Baumbestand zum Schutz vor Erosion und zu hoher Verdunstung).

S. Lemke, F. Ibrahim

Info Plus

Als Desertifikation wird ein Prozess der fortschreitenden Degradation der Produktionsfähigkeit von symbiotischen Natur-Mensch-Systemen bezeichnet, die vor allem durch einen hohen Grad der Anpassung an aride und semiaride Bedingungen gekennzeichnet sind. Sie führt im Endzustand zur Entste- hung von "Man-Made-Deserts". Hauptursachen der Desertifikation sind die Bodenausblasung in Gebieten mit lockeren Böden, die Bodenabschwemmung und -skelettierung in Gebirgsregionen und schließlich die Bodenversalzung in Gebieten mit übermäßiger Be- und mangelhafter Entwässerung.

Ein globales Phänomen
Die Karte zeigt, dass inzwischen alle bewohnten Kontinente von dem Phänomen der Desertifikation betroffen sind, insbesondere Afrika mit der Arabischen Halbinsel, Zentralasien, Australien und der Westen des amerikanischen Doppelkontinents.
Als "gefährdet" werden in der Karte die klimatisch günstigeren semiariden Gebiete bezeichnet, in denen der Druck des Menschen auf die Landschaft derzeit wächst, aber noch nicht übermäßig stark ist. Zu den von der Desertifikation bereits "betroffenen" Gebieten zählen praktisch alle Wüstenrandgebiete wie Halbwüsten, Steppen und Dornstrauchsavannen, in denen die Zerstörung von Boden und Pflanzenwelt nicht mehr durch die natürliche Regeneration ausgeglichen werden kann.
Bei den "stark betroffenen" Gebieten handelt es sich zum Teil um naturräumlich günstigere Gebiete wie beispielsweise die südliche Sahelzone, die von Menschen intensiver genutzt wird als Regionen nördlich dieser Zone. Solche Gebiete werden heute durch Überweidung, Überkultivierung und übermäßige Abholzung stark beeinträchtigt. Da die Chancen für eine erfolgreiche Bekämpfung der Desertifikation in Entwicklungsländern aufgrund des dortigen Kapitalmangels allenfalls gering bis mäßig sind, müssen viele Prozesse als faktisch irreversibel betrachtet werden. In extrem ariden Gebieten herrschen natürliche Wüsten vor. Innerhalb solcher klimatisch bedingter Wüsten kann Desertifikation durch Bodenversalzung und durch Sandanwehungen in Oasen stattfinden.

Gegenmaßnahmen
Es gibt Maßnahmen zur Bekämpfung der Desertifikation, allerdings sind sie nicht immer leicht umzusetzen. Beispielsweise gibt es landwirtschaftlich-technische Methoden, die fortschreitende Verwüstung durch entsprechende Anbauweisen zumindest eindämmen. Eine nachhaltige Lösung des Problems müsste in die Richtung gehen, den betroffenen Menschen in den Entwicklungsländern sinnvolle Anreize zu schaffen, ihren Lebensunterhalt außerhalb der Landwirtschaft zu erzielen und sich zugleich bei den Anbaumethoden wieder auf jene Verfahren zu besinnen, die sich in größtmöglicher Übereinstimmung mit den klimatischen, pedologischen und humanökologischen Bedingungen befinden. Langfristig gesehen wären solche Maßnahmen auch ökonomisch sinnvoller als die moderne, auf rasche Gewinnmaximierung zielende Intensivlandwirtschaft. Es empfiehlt sich deshalb, lokale Systeme zu studieren und sie den aktuellen Gegebenheiten schonend anzupassen.
F. Ibrahim

Materialien zu dieser Karte

Arbeitsblätter

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360° 2006 - 2:

Wüste
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Graphiken

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Ursachen und Folgen der Desertifikation

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Desertifikationsgefährdete Gebiete weltweit

Desertifikation meint die Verwüstung von Landflächen durch die Übernutzung oder Überschreitung der Tragfähigkeit
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Weltweite Erosionsgefährdung durch Wasser

Der Bodenschutz umfasst alle Maßnahmen, welche die Bodenerosion (Abtragung), die Bodenversiegelung, den Landschaftsverbrauch und den Schadstoffeintrag begrenzen sowie den Boden als Ökosystem erhalten. Dazu gibt es Bodenschutzprogramme und -gesetze.
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Aufforstungskampagne

Langwierig, kostspielig und meist ineffektiv.
Foto: F. Ibrahim, Wunstorf
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Badlandbildung nach Zerstörung der Vegetation

Foto: F. Ibrahim, Wunstorf
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Bodenerosion nach Rodung der Baumsavanne durch Großfarmer

Foto: F. Ibrahim, Wunstorf
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Bodenversalzung infolge mangelhafter Entwässerung beim Feldbau

Foto: F. Ibrahim, Wunstorf
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Vernichtung des natürlichen Baumbestands zur Holzkohleerzeugung

Foto: F. Ibrahim, Wunstorf
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